Baun Bango

Es ist morgens um halb sechs. Ich sitze auf der Holzterasse vor einem klapprigen Hostel in einem kleinen Dorf im Urwald, ungefaehr 400 km suedlich vom Equator. Die Sicht ueber den Fluss auf den gegenueberliegenden Sebangau Nationalpark ist wie aus dem Dschungelbuch. Nebenan bruzzelt das Essen in der Pfanne, das von der Ibu (Mutter) des Hauses fuer die Bewohner vorbereitet wird. Von gegenueber, der anderen Seite des Katingan Flusses, toenen regel- und unregelmaessige Pfeif und Heulgeraeusche von Affen und Voegeln. Hinter mir im Dorf krakehlen die Haehne ihr leicht penetrantes Kikeriki und die Cicaks (kleine Geckos) schnalzen dazu. Ansonsten gibt es keine Gerauesche, keinen Laerm. Eine Muecke zoomt sich neben meinen Kopf und meine Tierliebe setzt kurz aus. Arrrghh. Ein paar Meter weiter geht ein Local an den Fluss. Gewappnet mit einem Stueck Seife und einer gelben Plastikkelle (2 Liter) zieht er sich am Steg bis auf seine 70er Jahre Unterhose aus, springt ins braune Wasser und faengt an sich einzuseifen. Das auf dem selben Steg (allerdings stromabwaerts) eine Loch mit vier Waenden drumherum das Aussenklo eingebaut ist spielt keine Rolle. Daran will ich mich nicht wirklich gewoehnen.

Das Leben im Dorf ist wirklich etwas anderes. Die reine Erholung und Balsam fuer die Gestressten. Wer die Stadt gewoehnt ist merkt hier erst richtig was es bedeutet abzuschalten und den Motor runterzufahren. Die Gemaechlichkeit mit der die Dinge hier passieren sowie die Abwesenheit von endlosen Unterhaltungs- und Konsumoptionen, laesst einem die Zeit sich der Schoenheit der Natur bewusst zu werden. Hier faellt es leichter sich weniger von sich selbst abzulenken. Inmitten der vermeintlich schweren Armut scheinen die Leute aus tiefem Herzen gluecklich/ zufrieden/ seelig zu sein. Sie habe ein ehrliches Laecheln. Und das, ohne Styler Moebel, coole Klamotten und Markenunterwaesche. Sie haben auch keine Versicherungen, keinen Lebenslauf, keine Karriere. Sie koennen ihren Kindern auch sonst „nichts bieten“ und Gespartes gibts es sowieso nicht. WIE SOLL MAN DENN DA ZUFRIEDEN SEIN! Das Leben hier findet ausschliesslich fuer den jeweiligen Moment und immer im Jetzt statt. Die Menschen leben von Tag zu Tag auf einfachste Weise. Warum auch nicht? Es ist immer warm genug, es gibt immer genug zu Essen (Fische im Fluss, Tiere und Gemuese/Pflanzen im Wald, Reis im Vorrat) und im Nachbardorf wartet der zukuenftige Lebenspartner. Das Gefuehl von Mangel, was ich im Westen immer als das Normalste der Welt erlebt habe gibt es hier scheinbar nicht. Und damit auch keine extra Wuensche die man sich erfuellen muss. Das einzige was die Menschen hier brauchen sind ihre kleinen Haeuser, ihre Boote, den Wald drumherum, die Fische im Wasser und ihre Mitmenschen. Schade dass die Evolution fuer sowas wenig Platz hat…

 

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