In Indonesiens freuen sich immer alle und strahlen sich gegenseitig an. Depression scheint hier ein Fremdwort, jeder ist immer jut druppe. Keine Ahnung woran das liegt, an der Sonne, an der Armut oder am Miteinander? Bapak (Vater) Kamsim, einer der Dorfaeltesten in Baun Bango vermutet, dass es am Indonesischen Kommunikationsstil liegt: weil die hier spaetestens anfaengt wenn man nur noch drei Meter von einander entfernt ist, so sagt er. Zunaechst das Laecheln und dann ein Kommentar zur jeweiligen Situation. Als Beispiel: auf dem Weg nach Hause, sagt man den Kollegen im vorbeigehen „Pulang“ (= nach hause gehen). Wer Essen in der Hand hat oder essen geht sagt „Makan“ oder „Makan Dulu“ (= Essen/ Essen erst). Und wenn ich meine Cola aus dem Kuehlschrank im Warung (Kleine Imbissbude aus Holz oder Bambus haeufig mit Plastiktischen und Stuehlen) nehme sage ich zur Kontaktaufnahme „dingin“ (=kalt) und halte meine Dose hoch. Natuerlich kann man sowas nicht ein Gespraech nennen und es wird insgesamt nichts wirklich neues mitgeteilt aber trotzdem vermittelt es den Menschen ein Gemeinschaftsgefuehl. Es kommt nicht so sehr auf den Inhalt des Gesagten sondern vielmehr die dazugehoerige Mimik und Koerpersprache an. Dabei erleichtert die Einfachheit der Woerter/ Saetze die Gelegenheitskommunikation und kann die Atmosphaere, insbesondere unter Fremden, schnell entspannen (fragt euch mal wie lange es in Deutschland immer dauert bis man mal mit Fremden warm wird (nuechtern wohlgemerkt)). Wahrscheinlich liegt es auch an diesem sehr simplen und freundlichen Miteinander, dass die Menschen hier alle so gut miteinander klar kommen. Alle sind immer hoeflich und freundlich miteinander. Nicht nur wenn sie mit mir, dem Weissen zu tun haben, sondern auch zwischen Indonesiern scheint es immer sehr harmonisch zuzugehen. Schon beim Haendedruck geht es vorsichtig zu. Nie zu stark, es ist meistens eher wie ein kurzes Abtasten. Sowieso ist die gesamte Interaktion erst mal von Respekt gepraegt. Keiner wuerde dem anderen zu nahe treten (zumindest nicht bewusst). Der Augenkontakt wird vor allem am Anfang quasi nie hergestellt. Wenn jemand in den Raum kommt, gibt er zwar allen die Haend, schaut aber keinem dabei in die Augen. Am Anfang war das schon sehr seltsam fuer mich, aber ich habe festgestellt, dass die Leute trotzdem nicht unpersoenlich, uninteressiert oder distanziert sind. Der Blick in die Augen ist einfach etwas, was man nicht so einfach tut. Erst recht nicht die schuechternen Indonesier. Beim Anstossen beim Trinken das selbe: kein Augenkontakt.
Naja fuer mich ist das nicht schlimm, ich kann drauf verzichten. Irgendwie gibt es einem mehr Raum wenn man nicht so intensiv angeschaut wird. Das habe ich hier gemerkt – denn waehrend der direkte Augenkontakt gemieden wird, heisst das noch lange nicht, dass man in Indonesien eine Quasi-Zirkusattraktion (= Weisse) auf der Strasse nicht schamlos anglotzen wuerde. Aber dazu schreibe ich beim naechsten Mal mehr…


