…ist einer der schraegeren Sprueche, den ich Anfang des Jahres auf Lombok von einem indonesischen Kumpel gehoert habe. Er beschreibt in einfachen Worten die Mentalitaet und Einstellung vieler Indonesier. Denn als Weisser wird man in Indonesien meistens besonders freundlich behandelt. In Touri Gegenden lernt man nach einer Weile auch den Unterschied zwischen echter und falscher -Verkaeufer Freundlichkeit kennen. Letztere ist aber in Palangka Raya kein Problem. Hier gibt’s naemlich so gut wie keine Touristen. Freundlich behandelt zu werden ist das eine, mit Aufmerksamkeit ueberschuettet und fast mit Ehrfurcht betrachtet zu werden etwas anderes. Fuer Bulehs (=Weisse) gibt es genau diese Dinge alle drei zusammen. Es geht so weit, dass ich manchmal trotz Hunger mein Mittagessen auf den Abend verschiebe, damit ich erst im Dunkeln losgehen muss und den Blicken der Leute am Strassenrand besser ausweichen kann. Denn, wenn ich tagsueber alleine auf den Markt gehe, ist es teilweise nicht auszuhalten. Ob ich will oder nicht: Die Leute starren mich an, tuscheln ihren Freunden zu, dass ein Buleh im Anmarsch ist, drehen sich nach mir um wenn ich vorbeigehe und kichern hinter meinem Ruecken. Falls ich mit Ihnen spreche passiert es schnell, dass ich dann auch um saemtliche Kontaktdaten (Telefon, Facebook, Twitter & Skype, je nach Internetaffinitaet) und ein Foto mit der Handycam (oder gleich ein ganzes Fotoalbum) gebeten werde. Es ist der Buleh Hype. Diese Aufmerksamkeit und die damit einhergehende Wertschaetzung sind ein Phaenomen das auf Java sogar noch extremer ist. Ich sage Euch, in Deutschland war ich immer der, der Leute angestarrt hat. Aber hier hab ich gemerkt wie anstrengend und nervig es sein kann – erst recht, wenn die gesammelte Aufmerksamkeit vieler auf einen selber gerichtet wird. Was noch dazu kommt: Sowas veraendert einen. Wenn ich jetzt losgehe, vermeide ich ganz bewusst die Blicke der anderen, und sehe im Gegensatz zu frueher keinem mehr ins Gesicht. Das hat den Vorteil, dass ich das Angestarrtwerden nicht mehr so sehr mitbekomme und ich mich normaler fuehle, allerdings den Nachteil dass ich sicher eher als unsympathisch oder arrogant wahrgenommen werde. Koennte ich mir zumindest vorstellen.
Diese Aufregung, die man als Weisser manchmal ausloest hat aber auch Vorteile: Erst recht wenn man lernt damit umzugehen. Denn verstaendlicherweise oeffnet sie auch Tueren. So aehnlich wie der Westler in Indonesien, koennten sich sicher auch B- und C- Promis in Deutschland fuehlen. Als ich neulich bei einer Werbeveranstaltung von den Moderatoren aus der ganzen 100-Mann-Menge anvisiert wurde und nach meiner Buleh Meinung gefragt wurde habe ich mir fast inne Buxe gemacht und wollte nicht. Mein Kumpel Pierce, der selber Deutscher ist und schon 2 Jahre in Indoland wohnt meinte nur, dass Bescheidenheit manchmal einfach nix bringt. Oft ist es echt besser diese uebertriebene Annerkennung anzunehmen und sich nicht dagegen zu wehren. So sind einfach die Regeln: Du wirst besonders wertgeschaetzt, also werde Deiner Rolle gerecht. Tritt nicht auf wie einer von Ihnen sondern eher wie ein junger Prinz. Hmpf. Manchmal glaube ich die Menschen suchen richtig jemanden zu dem sie aufschauen koennen. Und als Weisser bist du dazu automatisch auserkohren.


