Nachdem ich in den letzten Wochen ja eigentlich hauptsaechlich ueber das Leben hier vor Ort geschrieben habe, wollte ich jetzt weniger ueber meine eigenen Erlebnisse und dafuer etwas mehr auf das tatsaechliche Projekt eingehen. Und damit es nicht zu trocken wird, werde ich versuchen, es kompakt zu halten…
Also. Das Krombacher Klimaschutzprojekt dient dem Schutz von tropischen Torfmoorwaeldern. In Zusammenarbeit mit dem WWF hat Krombacher im vergangenen Jahr schon ein Pilotprojekt im Sebangau National Park durchgefuehrt. Dieses Projekt befindet sich in der Endphase. Bis Anfang 2012 wird ein gleiches Projekt dann in einem anderen Bereich des Parks in groesserem Stile wiederholt. In den naechsten Wochen werde ich Euch beschreiben, welche Schritte unternommen wurden und werden um die Torfwaelder langfristig vor der Zerstoerung zu bewahren.
Der Grund, warum das Projekt in den Torfmoorwaeldern und nicht anderen Regenwaeldern Suedost Asiens durchgefuehrt wird, liegt vor allem an den Kohlenstoffmassen, die unter den Waeldern liegen. Wenn die Waelder hier brennen, dann brennt die Kohle dadrunter mit. Und zusaetzliche Treibhausgase werden ausgestossen. Die Waelder sind ewig alt und haben schon vor ueber 20’000 Jahren angefangen, Biomasse anzulagern. Das geschah, weil sich dieser Wald in einem tiefliegenden Flussdelta befindet, das zum Meer hin durch einen Mangrovengürtel abgeriegelt wurde. Abgestorbene Bäume, Laub stauten sich an und türmten sich über Jahrtausende auf. Durch die regelmaessig hohen Niederschlagsmengen lag diese abgestorbene Materie immer unter Wasser, konnte nicht oxidieren und wurde stattdessen im Laufe der Zeit in den kohlestoffreichen Torf umgewandelt. Ueber die Jahrtausende haben sich so regelrechte Kohlenstoffhuegel gebildet, auf denen ein Grossteil der suedostasiatischen Dschungel wachsen. Auf Borneo leben dort neben vielen verschiedenen seltenen Bauemen und Pflanzen auch grosse Saugetiere wie z.B. Orangutans, Baeren und Wildkatzen; unzaehlige Vogelarten, u.a. Adler, Nashornvogel und Geier, viele Reptilien und diverse Fische, die sich die Locals aus dem Fluss direkt in die Pfanne holen. Neben den Baeren und den Orangutans, die laut Erzaehlungen Einheimischer regelmaessig gesichtet werden, gibt es auch den Nebelparder, dessen Existenz mir bislang erst durch einen Waldarbeiter (=ExLogger/ Honigsammler/Fledermausjaeger/ und anderes) bestaetigt wurde. Durch die Projekte wird natuerlich allen Bewohnern des Gebiets geholfen: Menschen, Tieren und Pflanzen. Und nebenbei werden durch die Aufrechterhaltung des Waldes riesige Mengen Kohlenstoff an der Oxidation gehindert und somit die Treibhausgasemissionen Indonesiens begrenzt.
Die derzeit groesste Gefahr fuer diese Waelder und ihre Bewohner ist die Austrocknung und die damit einhergehenden Braende. Wie schon gesagt, stehen sie im Idealfall das ganze Jahr unter Wasser bzw. haben einen Grundwasserpegel, der wenige Zentimeter unter der Oberflaeche liegt. Aber durch den beginnenden Klimawandel veraendern sich die urspruenglich sehr regelmaessigen Niederschlagsmuster, so dass es in manchen Jahren zu extremen Trockenperioden kommt. Hinzu kommt, dass im Rahmen frueherer Abholzungen ein dichtes Kanalnetzwerk in den Sumpf gegraben wurde. Diese Kanaele dienten frueher beim Abholzen dazu, leichter in den extrem dichten Wald hineinzugelangen, ihn gezielt auszutrocknen und das Holz herauszutransportieren. Die Austrocknung, fuers Abholzen sehr nuetzlich, zeigt nun ihre Kehrseite: mit dem sinkenden Wasserpegel faengt der Torf an zu oxidieren, wobei Treibhausgase in die Athmosphaere abgegeben werden. Zusaetzlich steigt die Gefahr fuer Waldbraende (vor allem unterirdische Schwelbraende), bei denen die ganze Region in dichtem Rauch versinkt. Solange die Waelder intakt waren (bis Anfang der 80er Jahre war das der Fall), gab es keine Probleme mit der Austrocknung. Doch mit wachsendem Bedarf an Holz und landwirtschaftlichen Nutzflaechen wurden die Waelder mit Hilfe der Kanaele immer weiter erschlossen. Und heute sind die schwer kontrollierbaren Schwelbraende in den Trockenzeiten eine grosse Gefahr fuer die Waelder und deren Bewohner.
Das Krombacher Klimaschutzprojekt greift die Problematik so nah bei der Wurzel wie moeglich. Durch den Bau von strategisch platzierten Daemmen wird der Wasserspiegel hoch und die Torfwaelder nass gehalten. Braende werden verhindert, Kohlenstoff wird im Wald gebunden, Regenwald und Tiere vorm Aussterben geschuetzt. Insgesamt ein Projekt, das sehr wirksam ist (erst recht, wenn man es mit der Wiederaufforstung bereits komplett abgebrannter Gebiete vergleicht). In den naechsten Wochen schreibe ich mehr ueber die einzelnen Schritte, die gemacht werden muessen, um das Projekt umzusetzen. An alle Unterstuetzer in Deutschland an dieser Stelle schon mal ein dickes Dankeschoen! Ohne Euch waer das alles nicht moeglich!!!


