Das Klimaschutzprojekt von Krombacher – Erste Daemme

Nach dem Groundcheck ist die Vorbereitungsarbeit getan. Die Daten werden verarbeitet und die genauen Positionen der Daemme bestimmt. Diese duerfen, damit sie auch halten, dem Wasserdruck nicht zu stark ausgesetzt werden. Das geht, indem das Gefaelle zwischen zwei Daemmen nicht den Grenzwert von 25 Hoehencm ueberschreitet. Dann gehts los. Das Holz wird zum groessten Teil herangefahren. Einerseits ist das aergerlich, weil ja im Umfeld so viel Holz, teilweise auch schon abgeholztes, vorhanden ist. Andererseits muessen die Daemme vernuenftig konstruiert werden, um zu halten wozu einheitliche Groessen, und sauber geschnittene Balken, Bretter und Planken gebraucht werden. Und die findet man halt nicht, wenn man mitten im Wald ist. Ausserdem wird in Kalimantan sowieso viel Logistik ueber den Fluss abgewickelt und die Leute wissen, wie sie Waren auch an entlegene Orte transportieren. Wer also weit abseits wohnt, muss sich trotzdem um nichts sorgen und kann fast alles bekommen, was gebraucht wird. Und wir bekommen so auch unser gut vorgeschnittenes Holz. Das Baumaterial wird in die unmittelbare Umgebung der Kanaele gebracht und abgeladen. Dort warten dann auch schon die Lokals die beim Bau helfen und mit ihren kleineren Booten alles an die Endposition fahren. Je nach Lage und Groesse des Dammes dauert die Konstruktion zwischen ein paar Stunden bis hin zu drei Tagen. Zuerst gibt es nochmal eine Einfuehrung in die Bauweise und Funktion des Dammes. Zum Glueck ist ein Laptop dabei und es koennen Bilder und Grafiken zur Erklaerung der Konstruktion gegeben werden. Dann kann das Handwerk beginnen.

Es gibt drei Arten von Daemmen die an den Kanaelen konstruiert werden. Die groessten sind die permanenten Daemme die nicht fuer die schmalen Kanaele sondern kleinen Fluesse verwendet werden und eine Breite von bis zu vier Metern erreichen. Sie werden so gebaut, dass auch die schmalen Boote der Einheimischen durch den Damm gefuehrt werden koennen, und die Kanaele weiterhin befahrbar sind. Auf den Oberseiten dieser Daemme werden kleine Buesche gepflanzt um das Verwachsen des Damms mit der Natur zu beschleunigen. Die naechst kleineren Daemme bestehen lediglich aus zwei Reihen schmaler Holzpfaehle, zwischen die eine dichte Schicht Erde gefuellt wird. Sie werden kanalaufwaerts, oberhalb der grossen Daemme gebaut. Die letzte und einfachste Art der Daemme, wird nah am oberen Ende des Kanals verwendet. Sie besteht aus nur einer Reihe Holzstaemmen, vor denen sich im Laufe der Zeit Blaetter ansammeln, die so das Wasser stauen. All diese Daemme werden bewusst so gebaut, dass sie ab einem gewissen Wasserpegel ueberflutet werden. So wird das Einwandern von Fischen ermoeglicht und gleichzeitig der Damm nicht ueberbelastet. Sinkt der Wasserpegel irgendwann wieder, haben die Fische ein abgegrenztes Biotop und der Kanal bewahrt seine Feuchtigkeit.

Daemme koennen grundsaetzlich zu jeder Jahreszeit gebaut werden, wobei es in der Trockenzeit ein klein wenig besser ist, denn dann laeuft das Bauen anders als in der Regenzeit. Dadurch, dass kein schwarzes Wasser im Kanal ist sieht man genau wo man arbeitet. Im Gegenzug dazu ist der Boden haerter und laesst sich schwerer bearbeiten. Es ist heiss, so dass ordentlich geschwitzt wird und es gibt leider nichts wo man sich richtig abkuehlen koennte. Wer in der Regenzeit einen Damm baut, muss mit anderen Erschwernissen kaempfen: da man im Kanalwasser steht (teilweise komplett bis zu den Schultern) dauert alles laenger weil alle Bewegungen sehr schwerfaellig werden. Auch weiss man nie, wo man als naechstes hintritt und ob dort schon der naechsten spitze Ast aus dem Flussbett ragt. Und die Tatsache das Netzpythons und Warane Fleischfresser sind die vor allem im Wasser jagen sorgt fuer den restlichen Thrill. Vorteile hat es aber auch: das Peatwater, das sich ab 50 cm Tiefe langsam vom Rotbraun in ein tiefes Schwarz verwandelt, erfrischt, kuehlt ab, und mindert die sonst teilweise unertraeglich scheinende Hitze. Der Boden ist viel weicher, so dass sich die Balken einfacher in der Erde versenken lassen. Und Moskitos tun sich schwer einen zu stechen, wenn das meiste im Wasser steht.

Wie auch immer. Es ist eine lustige, wenn auch sehr anstrengende Erfahrung so durchs Wasser zu waten und etwas zu bauen. Es scheint erstmal nicht moeglich, in der Regenzeit im schwarzen Wasser zu arbeiten, aber nach einer Weile merkt man, dass nichts unmoeglich ist. Mit den richtigen Schuhen, Ausdauer und vor allem Offenheit fuer das, was man sich nicht hat vorstellen koennen, geht das Arbeiten dann doch! Was fuer mich ganz die indonesische Grundeinstellung widerspiegelt: die Menschen hier kommen selbst mit den scheinbar schlechtesten Umstaenden zurecht. Wo ich aufgrund der Unmoeglichkeit der Arbeitsumsstaende erst mal aufgeben will, gibts in Indoland nur ein Lachen und entspanntes Schulterzucken.

Schliesslich, nach ein paar anstrengenden Stunden mit vielen Zigarettenpausen und Rumgealber, steht ein Damm und bremst das Wasser ab. Mit der Zeit wird er dicker werden, wenn sich Erde, Aeste und Blaetter davor sammeln und ihn mehr und mehr abdichten. Und irgendwann wird er ueberwachsen mit Pflanzen und Pilzen, wie eine natuerliche Barriere das Wasser im Sumpf halten, ihn vor Austrocknung und Feuer bewahren sowie die Oxidation des Torfes runterfahren.

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