SSI Station

SSI. Das steht fuer Sanitra Sebangau Indah (frei uebersetzt die Schoene Sanierungsstation des Sebangau). Frueher war das SSI ein Basecamp fuer eine Logging (Holzfaeller) Firma hier in Zentral Kalimantan. Es liegt direkt an einem der groesseren Kanaele, ueber den der Zugang in den Wald und der Abtransport des Holzes geregelt wurden. Als man die Logger irgendwann rauswarf, wurde das Camp vom WWF uebernommen. Heute dient es dazu Sponsoren und Medien die Canalblocking- aber auch Aufforstungsprojekte vorzustellen. Es ist sozusagen ein Vorzeigemodell, kann von Palangkaraya einfach und schnell besucht werden und wird als Basisstation fuer Arbeiten im Feld verwandt. Das Camp besteht aus dem Haupthaus mit Wohn-, Schlaf-, Bueroraum und der Kueche (Kueche bedeutet eigentlich bloss „Ueberdachte Bodenflaeche ausserhalb der Huette auf deren Boden Essen zubereitet wird), zwei zusaetzlichen Zimmern fuer Besucher und einem kleinen Aussichtsturm. Auf der anderen Seite des Kanals werden Pflanzensetzlinge gezuechtet die dann an verschiedenen Stellen im Nahen Umkreis wieder eingepflanzt werden. Ausserdem ist ein „Permanent Dam“ direkt neben der Station.

Als ich Anfang 2011 nach Borneo kam und in Palangkaraya gelandet bin, wusste ich noch gar nicht wohin. Nachdem ich mich von einem Motorradtaxifahrer am ersten Abend durch Palangkas Umgebung hatte fahren lassen, ging ich am naechsten Morgen zum WWF Buero, um mich vorzustellen. Bis ich jedoch als Volunteer angenommen wurde, waren noch einige buerokratische Huerden/Vorstellungsgespraeche zu ueberwinden und ich nutzte die Zeit um mir den Sebangau National Park etwas naeher anzuschauen. Der erste Trip ging ins SSI, wo ich fast eine Woche in der Stille und Einsamkeit am Rand des Waldes, nur mit den drei Campsittern und der Katze, verbrachte. Weil das Camp direkt am Kanalzufluss des Sebangau liegt, sieht es in der Regenzeit, wenn das Wasser ansteigt und der ganze Torf ueberflutet ist, wie eine kleine Gruppierung schwimmender Haueser aus. Tatsaechlich steht es, wie die meisten Haueser in der Naehe des Wassers, auf 1-2 Meter hohen Stelzen.
Das Land im direkten Umfeld des Camps ist dabei sich wieder in seinen urspruenglichen, dschungelartigen Zustand zurueck zu verwandeln. Zwar fehlen noch die grossen Baueme, aber das Buschwerk ist schon weit entfernt von dem urspruenglichen Farnen, die sonst abgeholztes Land wie eine gruene flache Steppe aussehen lassen. Wer vom Kanal in Richtung Wald geht, startet durch flaches Farnland durchsetzt von Bueschen, Straeuchern und kleinen Baeumen, die sich langsam immer mehr in den dichten, hoeheren und dunkleren Peatforest verwandeln. So kann man auf wenigen hundert Metern die graduelle Verwandlung von nahezu gar keinem Wald bis hin zu echtem intakten Torfmoorwald erleben.

Es war ein beeindruckender Aufenthalt – nicht wegen der grossartigen Aktivitaeten vor Ort sondern vielmehr der Stille und Verlorenheit, die ich dort erlebte. Als wir mit den Klotokbooten auf den Sebangaufluss zum Fischen fuhren, war (sobald der Motor ausgeschaltet war) weit und breit nichts zu hoeren ausser gelgentlichem Vogelgezwitscher. Wir unterhielten uns ueber hundert Meter weg mit dem anderen Boot, ohne dass es sich seltsam anfuehlte. Die krasse Hitze war extrem entspannend. Und in dieser unendlich erscheinenden Weite und Ruhe fuehlte ich mich ungewoehnlich ausgeglichen und seltsam, fast schon erhaben ueber die Welt.

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