Tourismus in Kalimantan

Neben dem Schutz des Oekosystems im Rahmen des Canalblocking und der Aufforstungen im Sebangau National Park hat der WWF im Rahmen eines kleineren Projekts vor Ort angefangen erste Anstrengungen in die Foerderung von Tourismus zu stecken. Dazu zaehlt einerseits die Zusammenstellung einiger interessanter Ziele in einem kleinen Handbuch, andererseits der staerkere Fokus auf die Touristischen Potentiale im Sebangau Nationalpark.

Grundsaetzlich ist der Tourismus in Zentral Kalimantan aus verschiedenen Gruenden nicht sehr weit entwickelt. Bislang sind viele Gegenden nur sehr schwer zugaenglich, mit sehr langen Reisezeiten auf oft schlechten Strassen. Der Tourismus steht mehr oder minder bei Null – und es gibt keine Konkurrenz die das Geschaeft beleben koennte. Ausserdem kann Kalimantan manchmal echt trostlos sein: die meisten Menschen hier sprechen kein Wort Englisch, leben oft in kleinen, selbst zusammen gezimmerten Huetten am Rande der Armutsgrenze. Dreckige Klamotten der Menschen, schlechte Infrastruktur und viel herumliegender Muell lassen die meisten Orte nicht gerade paradiesisch wirken. Wer von Deutschland aus in eine indonesische Stadt anreist, der wird vom Chaos in den Staedten, in den Geschaeften, auf den Strassen (Chaos herrscht eigentlich ueberall) erstmal schockiert sein. Wer es dann aus der Stadt herausschafft wird feststellen, dass die meisten zugaenglichen Gebiete schon ausgeschlachtet und in agrarwirtschaftlich genutzte Monokulturen umgewandelt worden sind. Und wenn nicht, dann sind die ehemaligen Primaerwaelder (fuer mich die einzig wahren Dschungel) nur noch sehr junger, frisch nachgewachsener Sekundaerwald, dem Artenvielfalt und beeindruckende riesige Baeume zum Grossteil bereits verloren gegangen sind.

Die Potentiale fuer Tourismus sind somit von vorne herein limitiert. Und doch: trotz all der Trostlosigkeit (dritte Welt laesst gruessen)… je weiter man raus faehrt, desto spannender wird es. Weit weg von den stark besiedelten Gebieten kommt der wahre Charme Borneos, die sehr naturnahe Lebensweise seiner Bewohner und die vielen kleinen Ueberraschungen der Evolution zum Vorschein. Ein Aufenthalt in einem der Doerfer weg von den Ballungszentren wird zweifelsohne bei jedem deutschen Besucher bleibenden Eindruck hinterlassen: frische, mit den Jahreszeiten variierende, unbekannte Obstsorten die direkt von den Baeumen gepflueckt, mit den Haenden oder Zaehnen geschaelt und direkt gefuttert werden. Grinsende, teilweise zahnlose Gastgeber die eine Herzlichkeit ausstrahlen wie man sie aus Deutschland sicherlich nicht kennt. Das morgendliche, etwas umstaendliche Waschen am Fluss, bei dem der Nachbar schmunzelnd zuschaut und ueber unsere weisse Hautfarbe und mangelnde Koerperbalance am abfeiern ist. Die barfuss herumrennenden Kinder zwischen Huehnern, Katzen und Hunden. Das Essen, das nie einen Supermarkt gesehen hat sondern aus der direkten Umgebung (Fluss, Feld, Wald) in die Kueche kommt. Die traditionelle Art der Zubereitung ueber echtem Feuer und der Verzehr mit den Zehn Staebchen: den eigenen Haenden. Die Fortbewegung in den kleinen Boten auf dem Fluss und, und, und: alles viele kleine Dinge die extrem anders sind als das, was man als deutscher Tourist aus den meisten anderen Urlaubsorten bislang hat kennenlernen koennen.

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