Abfallproblematik in Indonesien

Die indonesische Art und Weise sich seines Muells zu entledigen hat was fuer sich. Sie kombiniert Eleganz mit Ignoranz. Und wird wohl jeden Deutschen der hier her reist ziemlich schockieren. Denn in diesem kuriosen Land gibt es kein Pflichtverstaendnis was die sorgfaeltige Entsorgung von Abfaellen angeht. Kaum einer belastet sich selber mit nervigem Muell, sucht haenderingend nach Abfalleimern oder stopft aufgerissene Kunsstoffverpackungen in die Hosentaschen. Nein. Was man nicht mehr braucht, laesst man allzuhaeufig an Ort und Stelle einfach aus den Haenden gleiten.

Dieser Stil war fuer mich, vor allem am Anfang meines Aufenthalts, ziemlich verstoerend. In Deutschland sind die meisten von uns ja so programmiert, dass umweltschaedliches Verhalten gar nicht geht. Ich weiss noch, wie ich mal stundenlang eine Eisverpackungen mit mir rumgeschleppt habe bis ich sie irgendwann, zoegerlich und moeglichst unauffaellig zwischen anderen Muell an einer Ecke fallen liess. Und wie ich total schockiert war, als mir jemand auf einem Boot meine Abfaelle freundlich abnahm, nur um sie zwei Sekunden spaeter ueber Bord zu werfen.

Das Chaos (die Vermuellung) ist nahezu ueberall, allerdings unterschiedlich ausgepraegt. Manche Gegenden wirken extrem, andere sind nicht ganz so schlimm. Auf den Strassen und oeffentlichen Plaetzen gibt es weder Muelleimer noch Schilder, die der Verschmutzung entgegenwirken. Es gibt keine Muellabfuhr, keine Muelltonnen vor den Haeusern. In ganz seltenen Faellen gibt es kleine Schilder die darauf hinweisen man solle seinen Muell bitte ordentlich entsorgen (mit einem einsam in der Landschaft stehendem Muelleimer). Wenn ich meinen Hausmuell loswerden will, muss ich damit zum 500 Meter entfernten Muellsammelplatz fahren, der einmal woechentlich von einem gewoehnlichen LKW angefahren wird, und dann von einem kleinen Team Arbeiter weggeschaufelt wird. Aber ueblicher ist es fuer die privaten Haushalte, den Muell vor dem Haus in kleinen Haufen zu verbrennen oder ihn teilweise sogar einfach nur hinters Haus zu werfen. Da haben naemlich viele ihre ganz eigenen, privaten Muellhalden…

Wie sowas sein kann, fragt man sich. Ein solches System kann man kaum nachvollziehen, schliesslich ist es echt schoener wenn der Hinterhof nicht zur Muellhalde verkommt! Aber trotzdem laeuft es Indonesien so. Und die Gruende sind eigentlich ganz einfach: es gibt keine System. Die Vermuellung passiert weil es Planung und Kontrollen, wie bei uns eben NICHT gibt. Es ist die reine Strukturlosigkeit, Chaos oder einfach nur Nicht-Organisation. Und die Leute haben meist ganz andere Sorgen, als sich mit dem was sie nicht mehr brauchen zu beschaeftigen. Solche Aesthetik Probleme kennt man nur, wenn man aus dem guten alten Westen kommt. Hinzukommt, dass das Muellproblem ein relativ neues ist. Bis vor ca. 50 Jahren gab es Muell, so wie wir ihn aus Europa kennen, ja noch gar nicht. Damals, als alles was man benutzte, direkt aus der Natur kam (Bananenblaetter als Teller und Serviette, Wurzeln, Holz und Pflanzenfasern als Baumaterialien, Steine als Werkzeuge), konnte man Dinge, die man nicht mehr brauchte, ueberall liegen und fallen lassen da sie sich nahtlos und ohne aufzufallen, wieder in der Natur eingliederten. Alles ging wieder dahin zurueck, wo es herkam oder verrottete und wurde wieder Teil der Erde. Essensreste wurden von Tieren und Bakterien weiterverarbeitet und auch alle anderen Materialien waren biologisch abbaubar und verwuchsen im Laufe der Zeit mit der Natur. Seit es Materialien wie Plastik und die Globalisierung gibt, ist allerdings nichts mehr wie frueher. Sie ermoeglichen einen viel hoeheren Lebensstandard, auch in entlegenen Gebieten, so dass selbst im Dschungel, weit weg von den Ballungszentren moderner Zivilisation, Gummibaerchen, Coca-Cola, und Magnum gegessen werden koennen. Das die Kunsstoffe teilweise 500 Jahre brauchen, bis sie verrottet sind, wird natuerlich von den wenigsten bedacht. Womit der Luxus alle Lebensmittelprodukte verfuegbar zu haben, seine deutlichen Spuren hinterlaesst, und die Plastikreste ein etwas trauriger Teil der Landschaften werden.

Das Schoene ist: auch hier verstehen die Leute die Probleme. Nur: man muss es Ihnen erklaeren. Denn das Mindset, was wir uns seit den Umweltbewegungen ab den 60er Jahren muehsam erarbeitet haben, ist hier noch nicht vorhanden. Man muss den Menschen die Zusammenhaenge aufzeigen und Ihnen bewusst machen, was geschieht, wenn jeder seinen Muell den Fluss runterspuelt. Dann veraendert man auch ihre Einstellung und kann helfen die Welt, ein kleines bischen besser zu machen.

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